Etwa 1975 wurde am Rande der Bielefelder Innenstadt, auf dem Grundstück des Wiesenbades, gestiftet von der Familie und der Firma DELIUS, eine offene Eisbahn, die Delius-Eisbahn, erbaut.
Ca. 2 Jahre später stifteten die Familie und die Firma OETKER der Stadt Bielefeld eine weitere Eisbahn, die ebenfalls offen in Bielefeld-Brackwede erbaut wurde - die Oetker-Eisbahn.
Beide Eisbahnen waren fast baugleich. Beim Bau der Oetker-Eisbahn wurden lediglich einige neuere Bauvorschriften berücksichtigt. Beide Anlagen wurden mit Ammoniak betrieben. Träger und Betreiber beider Eisbahnen war die Stadt Bielefeld, die auch die Verluste ausglich.
Die Besucherzahlen beider Eisbahnen waren mit 35 - 40.000 Besucher pro Saison ziemlich ähnlich.
Im Jahre 1999 wurde die Oetker-Eisbahn überdacht. Daraufhin schnellten die Besucherzahlen in Brackwede in die Höhe und erreichten ca 100 - 105.000 Besucher in der Saison. Die Delius-Eisbahn wurde trotzdem weiterhin von 35 - 40.000 Schlittschuhläufern besucht.
Im Zuge der Privatisierung städtischer Einrichtungen wurde 1998 die BBF (Bielefelder Bäder- und Freizeiteinrichtungen GmbH) gegründet. Gesellschafter sind zu 90 % die Stadtwerke Bielefeld und zu 10 % die BGW (Bielefelder gemeinnützige Wohnugsbaugesellschaft). Neben den Frei- und Hallenbädern wurden auch die Eisbahnen betrieben.
Noch vor der Übergabe der Eisbahnen an die BBF wurden beide einer TÜV-Routineprüfung unterzogen. Gravierende Mängel an der Delius-Eisbahn wurden in den folgenden Jahren nicht oder nur im Notfall behoben. Auch notwendige Unterhalts-Reparaturen an nicht-technischen Einrichtungen wurden nicht durchgeführt. Bei der TÜV-Folgeprüfung im Jahre 2002 wurde der Weiterbetrieb der Delius-Eisbahn nur noch für eine Saison genehmigt. Die BBF hatte Sanierungsarbeiten geplant. Auch eine Überdachung der Anlage, für die schon Pläne vorgelegt wurden, war im Gespräch. Doch dann gab es plötzlich im September 2002 Zeitungsberichte, dass die Delius-Eisbahn wegen finanzieller Probleme geschlossen werden sollte.
Gleich nach Bekanntwerden der Schließ- und Abrisspläne durch die Medien setzte sich zunächst Frau Westenfelder als Einzelkämpferin für den Erhalt der Delius-Eisbahn ein. In einem persönlichen Gespräch mit dem Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld, Herrn Eberhard David (CDU), versuchte sie, klar zu machen, dass eine Eisbahn für die Innenstadt unverzichtbar ist. Sie fand bald Mitstreiter, die sich ebenfalls für den Erhalt der Delius-Eisbahn einsetzen wollten. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde die Bürgerinitiative, und wenig später der Förderverein "Rettet die Delius-Eisbahn" gegründet. Im Winter 2002/03 wurden mehr als 17 500 Unterschriften für den Erhalt der Delius-Eisbahn gesammelt und dem Oberbürgermeister übergeben.
Durch private Initiative konnte Herr Professor Dr. Ing. Bothe* (Kältepabst in Deutschland)
gewonnen werden, die technische Anlage der Eisbahn in Augenschein zu nehmen. Er stellte fest,
dass die von TÜV und Feuerwehr beanstandeten Einrichtungen mit einem Aufwand von bis
zu 10.000 € wieder hergerichtet werden könnten. Die nicht-sicherheitsrelevanten
Mängel könnten dann nach und nach beseitigt werden. Damit hätte der
Weiterbestand der Eisbahn gesichert werden können. Der Förderverein und
der TSVE Bielefeld hatten sich
angeboten, die notwendigen Mittel durch Spenden oder Sponsoren aufzubringen.
Seitens des Rates der Stadt wurden alle Versuche zur Rettung
der Delius-Eisbahn abgelehnt.
Trotz aller Bemühungen, den Abriss der Eisbahn zu verhindern, wurde sie in einer "Nacht- und Nebel-Aktion" am 02.06.2003 abgerissen, obwohl allen Politikern bekannt war, dass am folgenden Tag ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Eisbahn gestartet werden sollte.
Nachruf:
von Enno Linkmeier

*Lehrstuhlinhaber FH Gelsenkirchen, Spezialist für Ammoniak-Anlagen, Sicherheitsbeauftragter der Bundesregierung für Kälteanlagen.